Auf derselben Havelinsel, welche heute die Zitadelle der Festung Spandau ziert, stand vordem das »feste Schloß« oder die »Burg Spandow«. Urkundlich wird dieses Schloß bereits 1229 erwähnt, es ist aber mit Sicherheit viel früher angelegt worden und als eine Gründung Albrechts des Bären zu betrachten.

1197 ist es bereits der Sitz eines markgräflichen Vogtes, dem die askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. folgten. Auch die bairischen Markgrafen residierten häufig auf dem Schlosse Spandow. Am 16.12.1352 übergab Markgraf Ludwig der Römer dem Rate von Spandow sein »Haus« und die Vorburk, »das vor dem Tamm gelegen ist«. Den Räten trug er auf sie mögen die Feste »halten und an allen Notturften bewahren«.

Der jetzige Juliusturm und frühere Schloßturm ist ein Bauwerk aus der Zeit Kaiser Karls des IV. Bereits um 1400 soll der Ausdruck »einen mit dem Julius bestrafen« in der Region gebräuchlich gewesen sein. Sicherlich ist das Burgverlies zu Spandow in den Zeiten der Quitzows adligen und nichtadligen Wegelagerern und Räubern oft ein unbequemer Aufenthalt gewesen.

1557 fasste Kurfürst Jochachim II. den Entschluß, das Schloß Spandow in eine Festung umzuwandeln. Er beauftragte den Maler und Braumeister Christof Römer 1560 mit dem Bau. 1562 übertrug der Kurfürst den Bau der Festung dem Venetianer Franciscus Chiramella de Gandino.
1572 erteilte Kurfürst Johann Georg den Auftrag an den Grafen Rochus Guirini zu Lynar, den Festungsbau zu vollenden. Er führte den Titel »Sr. Kurfüstlichen Gnadenbestallter General Obrister Artollerey Munition Zeug und Baumeister«. 1594 wude der Bau im wesentlichen beendet.

Im Jahr 1631 erhielt die Citadelle schwedische Besatzung. Am 17. März 1643 nahm Kurfürst Friedrich Wilhelm im Hofe der Festung die Huldigung der Städte des Havellandes und der Zauche entgegen. Auf einer Steintafel, welche sich noch heute am inneren Mauerwerke der Bastion Kronprinz befindet, wird folgendes Ereignis vermeldet: »Anno 1691 d. 31. August bei Regierung Friedrich des Großen dritten Kurfürsten zu Brandenburg hat das Gewitter in den Kurfürstlichen Festungswerken eingeschlagen und 964 Zentner Pulver angezündet, wodurch alle die Gewölbe bis auf den Grund zerschlagen wurden, auch sonst großer Schaden gestiftet. 21 Menschen sind hierbei um ihr Leben gekommen, wovon zehn sogleich unter den Steinen ihr Grab fanden«.

Während des Zweiten Schlesischen Krieges wurde die Citadell zugleich mit der Stadtbefestigung in den Verteidigungszustand gesetzt. Schon unter dem Kurfürsten Johann Georg – ab 1570 -, besonders aber unter seinen Nachfolgern, dienten die Kasematten der Citadelle als Gefängnis für Staatsverbrecher. Hier saß der Exminister von Dankelmann, hier büßte der Kammerdiener Friedrich des Großen, welcher den König auf österreichische Veranlassung vergiften wollte und bekannte im letzten Augenblick reuevoll sein Verbrechen. Der königliche Geheimrat Ferber wurde 1746 wegen Majestätsverbrechen hingerichtet.

Am 25. Oktober 1806 nachmittags 4.00 Uhr überlieferte der Kommandant der Citadelle, ohne daß ein Schuß gefallen war, die Festung den Franzosen. Am 26. Oktober besichtigte Kaiser Napoleon dieselbe. Der Juliusturm diente nich nur als Verlies; 1871 wurde der Kriegsschatz von 120 Millionen Mark in Gold; gelagert und bis 1919 verwahrt. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Zitadelle militärischen Zwecken und war für die Öffentlichkeit gesperrt.

Als ältestes historisches Festungswerk im Berliner Raum, wurde sie insgesamt restauriert und stellt mittlerweile einen kulturellen Glanzpunkt unserer Stadt dar.